post Double Act: Greta & Cosima Bellamacina

Greta und Cosima Bellamacina sind zwei Schwestern aus London und das neueste kreative Duo in unserer Serie „Double Act“. Greta befasst sich als Lyrikerin mit Herzschmerz und Feminismus, während Cosima als bildende Künstlerin tätig ist und zur Zeit ihre erste Kinderbuchserie illustriert. Die beiden präsentieren unsere Ready-to-wear- und Eyewear-Kollektion 2016 auf ihre unvergleichliche eigene Art.

Shot by Alex Franco

Erzählt uns ein wenig über euch. Woher kommt ihr und was macht ihr? 

G:  Wir sind beide in London geboren und in der Nähe des Hampstead Heath aufgewachsen. Auch heute noch fasziniert mich die Wildheit des Heath. Als Lyrikerin ist die Interaktion von Mensch und Landschaft ein wichtiger Aspekt für mich. Ich bin auch Filmemacherin, im vergangenen Jahr habe ich einen Kurzfilm über Mary de Rachewiltz, die 90-jährige Tochter des Dichters Ezra Pound gedreht. Er trägt den Titel „Ezra Pound: The Last Cantos“.

C: Ich liebe es, kreativ zu sein; ich glaube, es gibt unzählige magische Möglichkeiten, die jedes Individuum nutzen kann! Ich male, wann immer ich kann – und denke ständig über neue Sujets nach! Zur Zeit arbeite ich an einem Auftrag für eine Kinderbuchserie. Außerdem arbeite ich an meinem Abschluss in Kunstgeschichte in London.

Glaubt ihr, dass ihr als Schwestern einen ähnlichen oder unterschiedlichen Stil habt?  

G: Uns beide verbindet glaube ich eine Leidenschaft für den Vintage-Stil. Cosi hat eine besondere Begabung, Outfits neu zu interpretieren – oder Schätze auszugraben.

C: Greta war in all den Jahren definitiv eine Inspirationsquelle für mich. Ich erinnere mich, wie wir nach der Schule immer zum Camden Town Market gegangen sind und stundenlang schrille silberne Stiefel und Abendkleider anprobiert haben.

Was beeinflusst euren Stil? 

G: Ich glaube, man kann mit der Auswahl seiner Kleidung politische Aussagen machen – ich erstelle oft und gerne eigene Kampagnen-T-Shirts und Anstecker. Neulich habe ich welche für den Erhalt öffentlicher Bibliotheken gemacht. Außerdem neige ich dazu, Kleidung so lange aufzutragen, bis sie fast zum Talisman wird. Meine Familie beschwert sich oft, dass ich mit Löchern in der Kleidung auftauche.

C: Ein Sommer auf dem europäischen Kontinent mit frischen, leuchtenden Farben – ich liebe es, mit Farben zu experimentieren. Farbe verleiht auch den schlichtesten Outfits Energie.

Ihr seid beide sehr kreativ. Seid ihr in einem sehr kreativen Elternhaus aufgewachsen?

G: Ja, unsere Eltern sind beide Künstler, sie haben uns schon früh vermittelt, welche Kraft in der Sprache und der Kunst steckt. Sie haben uns immer angeregt, schöpferisch zu sein und Vorstellungen zu hinterfragen.

C:  Als Kinder haben wir viele Stunden damit verbracht, Schauspiele zu schreiben und vor der Familie aufzuführen. Unseren Vater haben wir überreden können, auf den Klavier Songs für unsere Produktionen zu komponieren – wir haben sie sehr ernst genommen und sogar eigene Eintrittskarten angefertigt.

Greta, du bist eine begabte Lyrikerin und vor kurzem Mutter geworden. Hat sich deine Arbeit durch die Mutterschaft verändert?  

G: Ja, ich habe während meiner Schwangerschaft eine Gedichtreihe geschrieben, die diesen Sommer bei New River Press erscheint. Es ist eine sehr tiefgreifende Erfahrung, und Lyrik war für mich die beste Möglichkeit, meine eigenen Gefühle zu verstehen. Ich habe auch das Gefühl, dass das Muttersein eine größere Nähe zu anderen Frauen mit sich bringt und eine ganz neue Diskursebene eröffnet, die für mein Denken eine große Bereicherung ist und viele Erinnerungen wachruft.

Welcher Look aus diesem Shooting gefällt euch am besten und warum?  

G: Das schwarz-weiß karierte Polo-Shirt mit Rock im Mod-Stil – mir gefällt, dass man es zu jeder Tageszeit tragen kann und sich trotzdem souverän fühlt.

C:  Die Oberteile und Faltenröcke im Bienenmuster samt passenden Schuhen – das kraftvolle Zusammenspiel von Gelb und Schwarz gefällt mir sehr gut.

Leiht ihr euch gegenseitig Kleidung? 

G: Ja, das haben wir schon immer gemacht, manchmal vergesse ich sogar, was mir und was Cosi gehört. Es können Jahre vergehen, bis ich merke, dass etwas meins ist und ich es gerne zurückhaben möchte – das ist auch das Schöne am Teilen: die Sachen sind in gewisser Weise immer wieder neu.

C: Für ein tolles Party-Kleid kann ich mich immer auf Greta verlassen, sie ist die Königin des Leoparden-Prints.

Wie würdet ihr gegenseitig euren Stil in drei Worten beschreiben? 

G: Cosis Stil ist unbeschwert, markant, frech.

C: Ich würde sagen, Greta ist originell, kunstvoll, unabhängig.

Wenn ihr euch im Kleiderschrank einer lebenden oder toten Persönlichkeit bedienen könntet, wen würdet ihr wählen und warum?    

G: Charlotte Rampling – mir gefällt, wie sie mit maskulinen und femininen Attributen spielt.

C: Brigitte Bardot, weil sie immer sinnlich aussieht und nicht versucht, ihre Sexualität zu verstecken.

Welche Projekte verfolgt ihr in diesem Jahr?  

G: Ich habe einen spielfilmlangen Dokumentarfilm über den Niedergang der britischen öffentlichen Bibliotheken geschrieben und gedreht, der am 23. Mai seine Premiere in den britischen Programmkinos hat. Die Dokumentation verfolgt die Geschichte der britischen Bibliotheksbewegung und betont ihre Relevanz für die heutige Zeit. Außerdem habe ich gemeinsam mit meinem Freund, dem Künstler und Dichter Robert Montgomery meinen eigenen Lyrikverlag gegründet. Er heißt New River Press (benannt nach dem verschwundenen Fluss, der einst London mit Trinkwasser versorgte). Wir verlegen sieben Lyriker und ich werde dort auch meine persönliche Anthologie unter dem Titel „Perishing Tame“ veröffentlichen.

C: Ich möchte meine Abschlussprüfungen machen und dann Europa mit dem Zug bereisen – erste Station wird Ibiza mit Freunden! Außerdem werde ich weiter an verschiedenen Porträtaufträgen und meinen Kinderbuchillustrationen arbeiten. Im Herbst geht es dann nach Kalifornien, wo ich an einem neuen Videoprojekt arbeiten werde.

*Greta wird vertreten von Viva London.

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